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Die Inhalte
der Zeitschrift
»Dienst am Wort«
Herausgeber
Leseprobe 1
Ostersonntag
Ostern – das letzte und das erste Mal
Lesejahr A – B – C
Beitrag zum Evangelium

Einführung


»Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen. Seit dass er erstanden ist, so freut sich alles, was da ist« – singen wir in dieser Stunde mit fröhlicher und ansteckender Orgelmusik. Und spüren und wissen doch: wir können all das, was dagegensteht, nicht vor der Kirchentüre lassen. Die Glaubens- und Lebenszweifel sind zu stark, was gegen das Leben steht, zu mächtig, und was die Freude am Leben verdirbt, zu vielfältig. Und seit wir zum letzten Mal Ostern gefeiert haben, hat sich zwar manches in unserem Leben verändert, aber unsere Welt ist nicht vergangen. Ein letztes Mal kann aber zu einem ersten Mal werden. Die alte Ostergeschichte von Maria von Magdala erzählt davon und sie will weitererzählt werden.

Kyrie-Ruf

GL 163/5 »Herr Jesus, auferstanden von den Toten«

Tagesgebet

Gott des Lebens,
wir feiern dich als den, der Leben spendet, Fesseln des Todes lösen und Totes neu beatmen will. Das hat Jesus, dein Sohn und unser Bruder, in seinem Leben und Sterben bezeugt. Du hast ihn auferweckt aus dem Dunkel des Grabes und er spricht uns zu: Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

Wir bitten dich: Erwecke auch in uns diese Hoffnung und Zuversicht, dass wir nicht dem Tod und der Vergänglichkeit ausgeliefert sind, sondern gehalten und belebt sind durch deinen Atem und deinen Geist, der Leben verheißt und Leben schenkt.
Heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Liedvorschläge


Gesang zur Eröffnung
GL 318 »Christ ist erstanden«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium
GL 328 »Gelobt sei Gott im höchsten Thron« und GL 175/6 »Halleluja« mit Vers

Gesang zur Gabenbereitung
GL 321 »Surrexit Dominus vere«

Gesang zur Danksagung
GL 329 »Das ist der Tag, den Gott gemacht«

Schlusslied
GL 337 »Freu dich, erlöste Christenheit«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 20,1–18 (Evangelium)

Als ich in der Ausgabe 1 »Die Zeit« vom 28. Dezember 2023 im Teil »Entdecken« die Gedanken von Charlotte Parnack unter der Überschrift »Das letzte Mal« gelesen habe, war ich gerade dabei, meinen Predigttext für den Ostersonntag zu meditieren. Meine abgelieferte Karfreitagspredigt »Es ist vollbracht« (DAW 2024/2) mit der letzten Begegnung des geliebten Freundes mit den unter dem Kreuz Stehenden – u. a. Maria von Magdala – bewegte mich noch und fand eine Anknüpfung in der Aussage von Charlotte Parnack: »Ein letztes Mal ist ja oft auch das erste Mal.« Und jetzt das österliche erste Mal der Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdala. Ostern – immer wieder das erste Mal nach Erfahrungen vom letzten Mal?

Predigt

Das letzte Mal …

ins Büro gefahren – jetzt also der Beginn des Ruhestandes – a.D.

Das letzte Mal die werdende Mutter in der Nachbarschaft gesehen und jetzt betrachte ich das Neugeborene.

Zum letzten Mal mit meinem ältesten Freund gesprochen und im Auto gefahren – und jetzt die Nachricht: Er ist gestern gestorben.

Das letzte Mal bringt Anna ihr Kind in die Schule und jetzt: Mama, ich kann alleine gehen.

Die letzte Visite im Krankenhaus und heute: Es ist alles gut geworden, sie dürfen nach Hause gehen.

Ein letztes Mal ist oft auch das erste Mal. Unser Leben ist wie eine Abfolge letzter und erster Male. Wahrscheinlich kann jede und jeder von uns genügend Beispiele aus der Lebensgeschichte dazulegen. Und in unserer Erinnerung gibt es dabei ein Davor und ein Danach, ein nach Rückwärts- und nach Vorwärtsschauen, ein »Das war es jetzt« und ein »Und was kommt dann?« Es gibt das »Ich kann es gar nicht verstehen, was passiert und wie es passiert ist!« und »Jetzt erst wird mir klar, wie das alles zusammenpasst!« Nie ist es gleich, wie ich das letzte Mal und das dann darauffolgende erste Mal erlebe. Und bei keinem und keiner von uns ist es gleich.

Maria von Magdala …

hat sicher auch in ihrer letzten Begegnung mit ihrem Freund Jesus sein letztes Wort gemäß dem Evangelisten Johannes gehört: »Es ist vollbracht«, mit dem er sterbend seinen Geist seinen Jüngerinnen und Jüngern, allen unter dem Kreuz Stehenden übergeben hat. Alles, was er in die Welt hinein ansagte und den Menschen zusagte, alles, was er unter dem Vorzeichen des mit ihm angebrochenen Gottesreiches zu den Menschen brachte – segnend, heilend, vergebend, aufrichtend, ins Leben rufend – alles ist vollbracht und vollendet, in Erfüllung gegangen. Mehr geht nicht. Ihr Jesus lässt nichts aus, was menschliches Leben ausmacht in seinen Höhen und Tiefen. Selbst im Tod ist er ganz auf der Seite seiner Schwestern und Brüder, der Lebenden und der Toten. Aber jetzt ist erst einmal die Leere. Nicht nur das leere Grab, sondern alles, worauf sie den Sinn ihres Lebens gegründet sah, alle Zukunft, auf die sich ihre Lebenssehnsucht ausrichtete, waren leer. Es bleiben Trauer, Schrecken am Grab und Tränen. Tot ist tot, sagt sie und sagen wir. Und deshalb der Gang zum Grab. Abschiednehmen und Zurücklassen. Die Erinnerungen an die vielen Begegnungen, wovon eine die letzte war. Auch hier können wir ergänzen und hinzufügen aus unseren Erfahrungen, mit dem, worauf wir zurückblicken und schmerzvoll klagen: Es ist nicht mehr so, wie es war. Es ist vorbei. Und oder mit der Sehnsucht nach dem Vergangenen: Es war so gut, es war so schön, es war so friedlich, es war so viel besser, die Menschen friedlicher, bescheidener, frömmer …

Das Leben, …

eine Abfolge letzter und erster Male. Auch bei Maria. Es bleibt nicht beim Zurückblicken auf das Vergangene, auf die Gespräche, die Begegnungen und die Erfahrungen. Es bleibt nicht bei dem, was sie in der Vergangenheit erlebt hat. Vielmehr das erste Mal nach Kreuzigung, Sterben und Tod hört sie: »Maria« und sie sieht mit neuen Augen und einer neuen Herzensgewissheit: Er ist es. Rabbuni, Meister, Herr, mein Geliebter. Er wendet sich ihr zu, als sie schon weitergehen wollte. Er gibt sich zu erkennen, als sie meinte, es sei der Gärtner. Er ruft sie beim Namen, als sie sich schon verloren glaubte: Du bist gemeint. Du bist und bleibst mir bekannt und bist nicht vergessen und allein gelassen. Noch ganz ungläubig und im Zweifel, ob das nicht alles das Trauma aus dem Schock der Kreuzigungserfahrung war, hört sie, was sie während des ganzen Weges mit ihrem Jesus immer wieder gehört und erlebt hatte: Er verweist auf den, aus dem er kam und den er den Menschen erschloss: den lebendigen Gott. »Ich gehe zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.« Trotz Tod und Sterben bleibt die Gewissheit: Du Mensch bist nicht verloren, du bist nicht gottlos und du fällst nicht in die Namenlosigkeit. Du bist gott-bekannt und gott-verwandt. Gegen alle Todesmacht und Todesgewalt steht lebendig auf, was dem Leben dient und was Leben verheißt. Und Jesus, der von Gott in die Welt Geborene, bleibt der zum Leben Erweckte und er fügt hinzu: Sag das weiter. Sag es den in Angst und ohne Hoffnung sich versteckt habenden Männern: Das Leben ist stärker als der Tod. In allen Todesnächten leuchtet das Licht dessen, der das Licht schuf und der das Licht ist: mein Gott und euer Gott. Und wenn ihr meint, der Teufel ist los, sag ihnen: Gott ist los und er bindet los. Seine Sache mit euch und der Welt sind nicht zu Ende. Das Leben lebt und ihr seid Zeugen und Boten dafür. Maria wird, nachdem alle davongelaufen und sich zurückgezogen hatten, zum ersten Mal vor die Jünger treten: Es ist wahr, der Tod ist besiegt. Wir dürfen dem Leben trauen, weil Gott das Leben ist und weil er es mit uns lebt (Alfred Delp).

Es ist nicht das erste Mal, …

dass wir Ostern feiern. Aber vielleicht ist es gut und die Not unserer Zeit wendend, dass wir angesichts der vielfältigen Todeserfahrungen unserer Tage, angesichts der schrecklichen Ereignisse im nahen und fernen Bereich, die wir durchleiden, angesichts mancher Ausweglosigkeiten, in die wir schauen und wo viele nicht mehr aus und ein wissen, angesichts dessen, dass viele den Glauben an die Zukunft und auch an Gott verloren haben, uns an Ostererfahrungen erinnern und sie weitererzählen: das Wunder, dass auch in der vergangenen Nacht Kinder getauft und als Gottes-Kinder gefeiert wurden; die hoffnungsvolle Nachricht, dass so viele Menschen anderen wie ein Osterlicht Tag und Nacht zur Seite stehen und sie heilen und pflegen; dass zu Ostern Menschen aufstehen und für Frieden und gegen den Hass auftreten; dass Menschen einander vertrauen und das, was sie haben, miteinander teilen; dass viele die Stimme erheben und für ein friedliches Miteinander eintreten zwischen Jung und Alt und zwischen Heimischen und Fremden. Österliches Miteinander, das Trennungen überwindet und Versöhnung stiftet, wo Neid und Missgunst entzweit. Es wird österlich, wenn wir weitersagen, dass wir einem Gott glauben und vertrauen, der der Gott aller Menschen ist und allen Menschen eine unaustauschbare Würde geschenkt hat. Könnte so, wo das letzte Mal nur noch Angst und Hoffnungslosigkeit, Leere und Resignation herrschten, wieder zum ersten Mal durch Ostern und wegen Ostern weitergesagt und gesungen werden, wie es unsere orthodoxen Mitchristen tun, wenn sie einander zurufen: Der Herr ist auferstanden – ja, er ist wirklich auferstanden. Halleluja. Das wären gesegnete Ostern – für uns und unsere Welt.

Fürbitten

Auferstandener Herr Jesus Christus, in der Begegnung mit dir konnten Menschen wieder aufstehen, fanden sie zurück ins Leben, erwachte in ihnen Hoffnung und Zuversicht, wurden Fesseln gelöst und Zerbrochenes geheilt. Du bist auch heute lebendig in unserer Welt und in unserem Leben. Wir legen vor dich die Nöte unserer Tage:

– Das Leid und die Schmerzen all derer, die unter Krieg, Gewalt und Verfolgung leiden und kein Licht der Hoffnung sehen.
(GL 333 »Christus ist erstanden«)
– Die Sorgen vieler Mütter und Väter um eine heile und friedvolle Zukunft für ihre Kinder.
– Das seelische Dunkel vieler Menschen, die das Vertrauen in ihr Leben verloren haben.
– Die Erschöpfung derer, die sich unermüdlich selbstlos einsetzen für Menschen, die krank und einsam sind.
– Die Trauer und Verzweiflung derer, die einen lieben Menschen verloren haben und nicht mehr weiterwissen.
– Die Ängste derer, die auf der Flucht sind und keine Heimat finden.

Herr und Bruder Jesus Christus, belebe unser Vertrauen, dass du mitten unter uns lebendig bist und unser Leben stärker ist als aller Tod. Wir feiern deine Auferweckung und preisen dich, heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Tripp

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